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Nachbildung der königlichen Sanphet-Thronhalle im Palast von Ayutthaya
Das Königreich Ayutthaya (Thai: อาณาจักรอยุธยา) war ein thailändisches Königreich, das von 1351 bis 1767 existierte. König Ramathibodi I. (Thai: สมเด็จพระรามาธิบดีที่๑, auch: U Thong – อู่ทอง) gründete am 4. März 1351 Ayutthaya als Hauptstadt seines neuen Königreiches. In den folgenden vier Jahrhunderten vergrößerte es sich zur Nation von Siam, dessen Grenzen fast denen des heutigen Thailand entsprachen. Ayutthaya trieb Handel mit Nationen wie China, Vietnam (Annam), Indien, Japan und Persien, später auch mit Portugal, Spanien, Holland und Frankreich. Letztere durften ihre Handelsniederlassungen vor den Toren der Stadt eröffnen. Der Hof von König Narai (1656–1688) hatte Beziehungen zu dem von König Ludwig XIV., dessen Diplomaten die Stadt in Größe und Wohlstand mit Paris verglichen. Bevor Ayutthaya im April 1767 von den Birmanen völlig vernichtet wurde, reichten seine Grenzen von den Nördlichen Shan-Staaten bis hinunter zur Mündung des Irrawaddy im heutigen Myanmar, von Lanna-Thai über Yunnan (China) und Lan Xang (Laos), über das heutige Süd-Vietnam und Kambodscha bis hinunter nach Malaysia. [1]
Bearbeiten Geographie der Hauptstadt AyutthayaDas Gebiet des südostasiatischen Festlandes wird von mehreren Bergketten beherrscht, die in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Die großen Flüsse verlaufen daher parallel zu ihnen nach Süden und bildeten das alluviale Tiefland, in dem im Laufe der Geschichte viele Königreiche entstanden und wieder vergingen. Im bergigen Norden des heutigen Thailand fließen die Flüsse Ping, Wang, Yom und Nan zuerst nahezu parallel zueinander, bis sie sich im Tiefland zum Maenam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) vereinigen. Ayutthaya liegt im Zentrum des Tieflandes am Zusammenfluss von Chao Phraya und zwei weiteren Flüssen, dem Lopburi und dem Pasak, die zusammen eine große Schleife bilden. Der Lopburi mündete zunächst im Nordwesten in den Chao Phraya, das letzte Stück nördlich der Insel wird heute Khlong Khu Mueang, „Stadt-Graben“ genannt. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde im Nordosten ein Kanal gegraben, der den alten Lopburi-Fluss mit dem breiteren Pasak verband, so dass Ayutthaya nun wie eine Insel von allen Seiten von schiffbarem Wasser umgeben war. Bearbeiten Die InselÜber die Insel verliefen Kanäle (Khlongs – คลอง) und Straßen in einem Schachbrettmuster. Es gab eine breite, mit Bäumen bestandene Prachtstraße, Thanon Pa Thong (Straße des Goldenen Waldes) genannt, die vor dem Königspalast (Wang Luang – วังหลวง) begann und in gerader Linie von Nord nach Süd bis zur südlichen Stadtmauer verlief. Hier paradierte der König mit seinen Landtruppen. Eine weitere Straße begann südwestlich des Palastes und führte in östlicher Richtung vorbei am Wat Mahathat bis zum Marktviertel, wo Holzkohle verkauft (Pa Than – ป่าถ่าน) wurde und Schmiede ihre Betriebe (Pa Lek – ป่าเหล็ก) hatten. Kleine Geschäfte säumten die zahlreichen Nebenstraßen. In regelmäßigen Abständen rund um die Insel gab es Fähranleger. Es gab insgesamt 20 „Wasser-Tore“ (Thai: ประตูน้ำ – Pratu-Nam), durch die Lieferanten mit ihren Booten durch Tunnel unter der Stadtmauer in die Stadt fahren konnten. Die Tunnel konnten bei Gefahr geschlossen werden. Das Kanal-System innerhalb der Stadtmauern diente der Bewässerung und war der Haupttransportweg. Die meisten Wohnbezirke der Stadt lagen entlang der Kanäle nicht an den Straßen. Die Barke des Königs lag in einem Kanal an den Gärten hinter dem Palast. Er war der größte und längste Nord-Süd-Kanal, Khlong Tho (คลองท่อ) genannt. Bei der größten Barken-Prozession fuhr jedes Jahr im November der König mit seiner goldenen Barke und zahlreichen goldenen Begleitbooten zur Kathin-Zeremonie. Diese Veranstaltung wird noch heute unter dem Namen Königliche Barkenprozession zu besonderen Anlässen abgehalten. Die Länge aller Kanäle innerhalb der Stadt betrug etwa 56 km, es gab fünf Kanäle in Nord-Süd-Richtung und 15 Hauptkanäle in Ost-West-Richtung. Von den 28 Brücken, die die Kanäle kreuzten, waren die meisten aus Ziegelsteinen hergestellte Bogenbrücken, eine war wahrscheinlich eine nach holländischem Vorbild konstruierte Zugbrücke.[2] Bearbeiten BefestigungAnfangs war Ayutthaya von einem Erdwall umgeben, der fast parallel zur umgebenden Wasserstraße verlief. Als während der ersten Kriege mit Burma Kanonen aufkamen, wurde der Erdwall abgetragen und eine neue Stadtmauer wurde näher am Ufer errichtet. Sie hatte eine Länge von etwa zwölf Kilometern und bestand aus Ziegelsteinen, die den burmesischen Kanonen standhalten konnten. 17 Wachtürme wurden in regelmäßigen Abständen entlang der Mauer erbaut, der königliche Palast hatte sieben Türme. Zusätzlich gab es etwa 75 bewachte Stadttore.[3] Wenn eine feindliche Armee anrückte, wurden die Schleusen in der Stadtmauer geschlossen. Die Hauptstadt lag nur knapp oberhalb des Hochwasserpegels. Stieg nach den Monsun-Regenfällen der Wasserstand der Flüsse an, wurde das gesamte Umland überflutet, und Ayutthaya lag wie eine Insel in einem See. Keine Belagerungsarmee konnte diesen Bedingungen über längere Zeit trotzen. Bearbeiten Geschichtlicher ÜberblickSiehe auch: Geschichte Thailands Bearbeiten Politische Situation um 1350In der Mitte des 14. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Thailand in mehrere Königreiche, in Fürstentümer und Stadtstaaten unterteilt. Im Norden musste erst vor wenigen Jahren das 600 Jahre alte Hariphunchai-Königreich, welches seine Hauptstadt im heutigen Lamphun hatte, die Macht an eine „neue Stadt“ abgeben, an Chiang Mai [4], der Hauptstadt des Königreiches von Lan Na. Zwischen Nord- und Zentralthailand lag das Zwillings-Königreich von Sukhothai und Si Satchanalai. Nicht weit von Ayutthaya entfernt lag Lavo, das heutige Lopburi. Etwa in gleicher Entfernung nach Westen lag Suphan (wahrscheinlich das historische Suvarnabhumi, das heutige Suphanburi), welches zwar nicht so mächtig war wie Lavo, dennoch hat die Suphan-Dynastie zweimal den Thron von Ayutthaya mit Waffengewalt erobert, bevor sie ihre eigene Linie von Königen etablieren konnte. Weitere Zentren von ähnlicher Größe lagen auch im Osten und im Süden. Bearbeiten GründungAyutthaya wurde nach den Königlichen Chroniken von Ayutthaya „im Jahr 712 des Chula-Kalenders, ein Jahr des Tigers, am Freitag, dem 6. Tag des zunehmenden Mondes im 5. Monat, um drei Nalika und neun Bat nach Tagesanbruch“[5], also am 4. März 1351 A.D. kurz nach neun Uhr morgens, von einem charismatischen Führer namens „U Thong“ gegründet. Der Hauptstadt seines neuen Königreiches gab er den Namen „Krung Thep Dvaravati Sri Ayutthaya“, nach der Hauptstadt Ayodhya des Prinzen Rama im indischen Epos Ramayana. Sich selbst nannte er ab sofort „Ramathibodi“. In seiner 19-jährigen Herrschaft versuchte Ramathibodi zunächst, die umgebenden Fürstentümer von Suphanburi und Nakhon Pathom im Westen sowie Luvo (heute Lopburi) im Norden unter seiner Führung zu vereinen. Dazu holte er Verwaltungs- und Militärexperten aus „West-Siam“ (aus den heutigen Suphanburi, Ratchaburi und Petchaburi) an seinen Hof, dazu von der Khmer sprechenden Elite in „Ost-Siam“ (den heutigen Lopburi und Nakhon Nayok) Chronisten, Astrologen, Schreiber und Rechtsgelehrte. Südlich seiner Hauptstadt siedelten bereits seit langer Zeit chinesische und indische Händler. [6] Bearbeiten WachstumImmer wieder in Ramathibodis Regierungszeit mußten siamesische Truppen Rebellionen in Sukhothai bekämpfen oder Krieg gegen Lan Na führen. Beide Reiche versuchten sich der Expansion Ayutthayas zu widersetzen, doch schliesslich konnte das Gebiet, das zu Sukhothai gehörte, dem Reich einverleibt werden. Im letzten Jahr seiner Regierungszeit konnte König Ramathibodi zum ersten Mal in der Geschichte Siams einen erfolgreichen Angriff gegen das bisher stärkste Reich Südostasiens, das Reich von Angkor unternehmen. Er eroberte die Hauptstadt und setzte einen genehmen Khmer-Herrscher ein. Er bezweckte damit eine Sicherung der Grenzen im Osten, da hierdurch eine vietnamesische Expansion in das Khmer-Gebiet unterbunden werden konnte. In den folgenden 400 Jahren mußten die Khmer wiederholt Ayutthayas Oberherrschaft anerkennen, jedoch war dies nie von langer Dauer. Im Jahr nach Ramathibodis Tod wurde das Königreich Ayutthaya von Hongwu, dem Kaiser von China, als rechtmäßiger Nachfolger Sukhothais anerkannt. Das Thai-Königreich war kein einheitlicher Staat mit genau definierten Grenzen wie wir sie heute kennen, es war eher ein „Patchwork“ von selbst verwalteten Fürstentümern und tributpflichtigen Provinzen, die von Kriegsfürsten regiert wurden. Die Kriegsfürsten heirateten in die königliche Familie von Ayutthaya ein, so dass in der Mitte des 15. Jahrhunderts alle Vasallen-Dynastien mit Ayutthaya verwandt waren. Sie konnten ihre eigenen Armeen ausheben und bekriegten sich manchmal sogar untereinander. Der König musste immer wachsam sein, damit sich die Prinzen nicht hinter seinem Rücken gegen ihn verbündeten oder sich sogar mit dem Feind alliierten. Besonders wenn ein Thronwechsel anstand, zogen die Kriegsfürsten mit ihren Heeren vor die Hauptstadt, um ihre Unterstützung für den ein odr anderen Thronfolger zu unterstreichen. Der Süden Siams bestand unterdessen aus einer Reihe selbstverwalteter Malaiischer Staaten, die allerdings Ayutthaya gegenüber unterwürfig waren. Im 15. Jahrhundert wurde viel Energie auf die Malaiische Halbinsel gerichtet, da die großen internationalen Handelshäfen versuchten, sich von der Oberherrschaft Ayutthayas zu befreien. Siam konnte sich schließlich der Hilfe von China und Japan, die beide am Wohlstand Malakkas teilhaben wollten, den Aufstand niederschlagen. Malakka und die anderen malaiischen Staaten südlich von Tambralinga bekannten sich seit Beginn des 15. Jahrhunderts zum Islam, der von da an als Symbol der malaiischen Solidarität gegen die Siamesen diente. Ayutthaya vermochte zwar nicht, Malakka zu einem Vasall zu machen, es konnte aber dennoch den lukrativen Handel auf dem Isthmus von Kra kontrollieren. Bearbeiten Niedergang und WiedererstarkungIm 16. Jahrhundert wurde das Königreich von blutigen Kämpfen um die Thronfolge geschwächt. Pegu nutze die Schwäche aus und überrannte Chiang Mai und Laos, und begann, Angriffe gegen Ayutthaya zu führen. Im Jahr 1569 konnte die Burmesen mit Unterstützung von Rebellen aus der Reihe der Prinzen die Hauptstadt einnehmen. Sie verschleppten die königliche Familie nach Pegu und setzten Maha Thammaracha, ein siamesischer Prinz und einer der burmesischen Verbündeten, als Vasallen-König ein. Während seiner burmesischen Gefangenschaft konnte der 15-jährige Sohn von Maha Thammaracha, Prinz Naresuan, zunächst das Vertrauen der Burmesen gewinnen. Als im Jahr 1571 seine Schwester mit König Bayinnaung verheiratet wurde, konnte Naresuan im Gegenzug nach Ayutthaya zurückkehren. Bald konnte er eine große Anzahl von Verbündeten um sich versammeln, um sich im Jahr 1593 in einer historischen Schalcht bei Nong Sarai (heute: Don Chedi) vom Joch Pegus zu befreien und Ayutthaya wieder als vorherrschende Macht in Indochina einzusetzen. Bearbeiten Die Revolution von 1688Im 17. Jahrhundert begannen die Europäer in Südostasien zunehmend aktiv zu werden. Europäische Kaufleute, Missionare und Abenteurer verkehrten in Ayutthaya, europäische Diplomaten, Kriegsschiffe und Armeen begannen, die Unabhängigkeit und Sicherheit Ayutthayas zu bedrohen: Chaophraya Vichayen (Constantine Faulkon), der sich vom griechischen Schiffsjungen bis zum Mahatthai unter König Narai heraufgearbeitet hatte, unterstützte die Franzosen, die den buddhistischen König zum Christentum bekehren und ein Fort in Bangkok bauen wollten. Die bisher recht erfolglosen Engländer versuchten mit Gewalt ihre Interessen in der Hafenstadt Mergui (heute: Myeik in der Tanintharyi-Division) durchzusetzen. Diese Bedrohungen des Reiches und weitere Krisen konnten von König Narai teils durch Diplomatie, teils mit Unterstützung der Holländer abgewendet werden. [7] Dennoch mißfiel dies einem nationalistischen Flügel des Adels. Im März 1688, als König Narai schwer krank wurde, setzte eine neue nationalistische Patei nach einem Putsch ihren Führer, den Leiter des Elefanten-Ministeriums, als König Phetracha auf den Thron. [8] Der neue König ließ den Chaophraya Vichayen hinrichten, verbannte die Franzosen aus dem Reich und schloss alle anderen Europäer von weiteren Handelsaktivitäten in der Region aus. Diese Politik wurde bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts aufrecht erhalten, als König Mongkut sich wieder nach Westen öffnete. Bearbeiten Goldenes ZeitalterUnter König Thai Sa und seinem Nachfolger Borommakot trat das Königreich nach Jahrhunderten der Kämpfe und Kriege in eine Blütezeit ein, die etwa ein halbes Jahrhundert andauerte. Es wurden neue Kanäle (Khlongs) gegraben, Tempel (Wat) erbaut und viele Schiffe konnten die Werften von Ayutthaya verlassen. Zwar wurden Kriege im Ausland geführt, wie zum Beispiel gegen die Nguyen Lords von Südvietnam, jedoch konnten besonders unter Borommakot Kunst und Poesie florieren. Borommakot war auch ein Förderer der Religionen, so dass Historiker diese Zeit als das „Goldene Zeitalter“ bezeichnen. Bearbeiten Die letzten Jahre und FallKurz nach dem Tod König Borommakots endete das „Goldene Zeitalter Ayutthayas“. Durch die langen Jahre des Friedens wurde die Gefahr aus dem Westen vergessen. Nachdem König Uthumphon nach einer Herrschaft von nur 3 Tagen von seinem Bruder Ekathat vertrieben worden war, begannen kurze Zeit später die ersten Angriffe der Birmanen unter König Alaungphaya. 1759 waren Martaban, Tavoy, Mergui (heute: Myeik in der Tanintharyi-Division) und Tenasserim die ersten Stadtstaaten der Mon, die an Birma fielen. Nach der Eroberung von Petchaburi, Ratchaburi und Suphanburi standen sie bald vor Ayutthaya und begannen eine Belagerung. König Ekathat bat seinen Bruder Uthumphon, das Klosterleben aufzugeben und statt seiner die Regentschaft zu übernehmen und insbesondere die Verteidigung zu organisieren. König Alaungphaya wurde kurze Zeit später durch die Explosion einer eigenen Kanone schwer verletzt,[9] woraufhin die Belagerungsarmee abzog. Alaungphaya verstarb auf dem Weg zurück. Zwei Jahre lang sorgte Uthumphon für die Befestigung Ayutthayas, ehe er sich wieder ins Kloster zurückzog. 1765 begannen die Birmanen einen weiteren Großangriff auf Siam. König Hsinbyushin (auch Mongra genannt) sandte zwei Armeen aus, die das Reich Ayutthaya von Norden und von Süden in die Zange nehmen sollten. Im Februar 1766 schließlich tauchten die Birmanen vor Ayutthaya auf und begannen eine einjährige Belagerung. Ekathat bot die Unterwerfung Ayutthayas an, doch die Birmanen wollten die völlige Vernichtung. Nach einem verheerenden Brand innerhalb der belagerten Stadt, der angeblich 10.000 Häuser vernichtet haben soll, flohen viele heimlich. Am Abend des 7. April 1767 fiel Ayutthaya, ein Teil der Stadtmauer stürzte ein und die Birmanen konnten die Stadt stürmen. Tempel und Paläste wurden geplündert und in Brand gesetzt, Kunstschätze und Büchereien, ebenso wie die Archive mit historische Aufzeichnungen wurden vernichtet. Vor der riesigen Buddha-Statue des Phra Sri Sanphet wurden tagelang Feuer geschürt, um das Gold zu schmelzen, aus dem die Figur hergestellt war. Größere Kanonen, auf die die Siamesen so stolz gewesen waren, wurden im Fluss versenkt, die kleineren nach Birma abtransportiert. Alle Menschen, wobei besonderer Augenmerk auf Künstler und Handwerker gelegt wurde, wurden von den Siegern zusammengetrieben und ebenfalls auf den Weg nach Burma gebracht, wo allerdings nur wenige ankamen. Schließlich war die große Stadt völlig menschenleer. [10] Die mehr als vierhundertjährige Geschichte Ayutthayas nahm damit ein Ende, das Land verfiel in eine kurze Zeit des Chaos. Provinzen erklärten die Selbstständigkeit unter der Leitung von abtrünnigen militärischen Führern, machthungrigen Mönchen und jüngeren Mitgliedern der königlichen Familie. General Paya Taksin, der spätere König Taksin, wusste jedoch mit geschickter Diplomatie und dem Aufbau einer starken Armee die drohende burmesische Unterwerfung zu verhindern. Er gründete eine neue Hauptstadt im heutigen Thonburi. Bearbeiten Struktur der GesellschaftDie traditionelle siamesische Gesellschaft war pyramidenförmig aufgebaut mit dem Monarchen an der Spitze. Unter ihm waren seine Untertanen hierarchisch gegliedert, wobei der relative Stand eines jeden gegenüber allen anderen durch ein System geregelt war, welches Sakdi Na genannt und in Einheiten von anbaubarem Land in Rai ausgedrückt wurde. Die Unterteilung in Hierarchien von Führern und Untertanen wurde als normal und als natürlicher Teil des Lebens angesehen. Noch heute wird dies durch die Sprache, die ein unterschiedliches Vokabular beim Umgang unterschiedlicher sozialer Schichten untereinander entwickelt hat, wie auch durch soziale Bräuche deutlich. Bereits Kindern wurde beigebracht, ihr Gegenüber anhand der Sprache, Kleidung oder anderer Hinweise in höher oder niedriger Gestellte einzuordnen. Sowohl die Führer als auch die Untergebenen ziehen in den Augen der Thai Vorteile aus diesem System, eine Ungleichheit wird von ihnen als wesentlich erachtet. Zum Beispiel liegt es im Eigeninteresse des Patrons, ihre Verpflichtung zum Schutz und Unterstützung ihrer Untergebenen zu erfüllen, Untergebene fühlen sich sicherer, wenn sie auf den Rückhalt eines starken Patrons vertrauen können.[11] Die Gesellschaft kann in fünf Gruppen eingeteilt werden: 1.) die Königliche Familie, 2.) der Adel und die Beamten, 3.) die Untertanen (im englischen Sprachgebrauch Freemen oder Commoners), 4.) der Klerus mit den buddhistischen Mönchen und den Brahmanen sowie 5.) die Gruppe der Sklaven. Menschen chinesischer Abstammung standen außerhalb dieses Systems, sie wurden unterschiedlich besteuert und hatten ihre eigene Verwaltungsstruktur. Bearbeiten Der KönigSiehe auch: Liste der Könige von Thailand Verstand sich der König im Königreich Sukhothai noch als Patriarch (พ่อเมือง – wörtl.: „Vater des Landes“), dessen Rat man suchte und dessen Urteilsvermögen bedingungslos anerkannt wurde[12], übernahmen die Könige von Ayutthaya den Begriff des Devaracha (Sanskrit: Deva: „Gott“, Racha: „König“) von den Khmer. Der König herrschte zwar als Chakravartin nach dem Thammasat (ธรรมศาสตร์ – Dharmashāstra), einem alten Gesetzestext, der über die Mon in Unterburma von Manusmriti, dem „Gesetzbuch des Manu“ überliefert wurde, war aber gleichzeitig unerreichbar für nahezu jedermann. Ein König ererbte nicht seinen Titel, sondern er wurde vom Thronrat aus einer Reihe von Kandidaten als der Würdigste bestimmt. Anschließend wurde er als König gesalbt, also mit „Reinigendem Wasser“ (น้ำมนตร์) besprengt. Die Überreichung einer Krone und weiterer königlicher Insignien ist nur ein kleiner Teil der einige Tage dauernden Zeremonie, die Phra Ratchaphithi Borommaphisek (พระราชพิธี บรมภิเษก – „Königliche Zeremonie der Großen Salbung“) genannt wird.[13] Bearbeiten Die Königliche FamilieDie Königliche Familie bestand aus Prinzen, Prinzessinnen und anderen Mitgliedern, die den König beim Regieren unterstützten. Der Rang königlicher Nachkommen wurde 1458 per Gesetz in fünf Gruppen eingeteilt, abhängig vom jeweiligen Status ihrer Mütter. Mit jeder weiteren Generation wurde ihr Titel um eine Stufe heruntergestuft, so dass nach fünf Generationen die königlichen Nachkommen wieder zu „Freien Bürgern“ wurden. Den Mitgliedern der königlichen Familie wurde vom König eine monatliche Unterstützung gezahlt, deren Höhe abhängig war vom Rang der jeweiligen Person, wobei zwischen Frauen und Männern kein Unterschied gemacht wurde. Einigen Prinzen wurde die Leitung von Ministerien oder Departements der Regierung (กรม – Krom) anvertraut, wodurch sich ihr Sakdi Na signifikant erhöhte. Bearbeiten Der Adel und die BeamtenSiehe auch: Thailändische Adelstitel Zwischen der Königlichen Familie und der Masse der Untertanen waren Adlige und Beamte (ขุนนาง – Khunnang), denen die Verwaltung des Landes oblag. Ihre Titel waren weder auf Lebensdauer angelegt, noch vererbbar. Manchmal wurden die Töchter der Khunnang dem König als Frau angeboten. Durch sie erhielten die Familien eine Bindung an den königlichen Hof, sie wurden aber gleichzeitig zu „Geiseln“, mit denen die Loyalität und der Gehorsam ihrer Familien durchgesetzt werden konnten. Die Khunnang waren insofern eine offene Klasse, als ihre Mitglieder durchaus auch aus dem einfachen Volk kommen konnten. Der Rang der Khunnang war abhängig von dem Amt, in das sie berufen wurden. Titel und Rang waren über das Sakdi Na miteinander verflochten. Amtsinhaber mit einem Sakdi Na von mehr als 400 konnten sich als Khunnang bezeichnen. Es gab schätzungsweise nicht mehr als 2000 Khunnang bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2 Millionen. Falls jemand aus einem Amt entlassen wurde, verfiel gleichzeitig sein Titel, es sei denn, der König gewährte ihm weiterhin seinen Titel aufgrund seiner Leistungen.[14] Mit dem Amt erhält der Träger gleichzeitig die Verantwortung für eine bestimmte Anzahl „Freier Bürger“ (Phrai, ไพร่), für die er dann der Nai (นาย, Herr, etwa vergleichbar mit dem römischen Patron) wird. Der Mehrwert, der von seinen Phrai erwirtschaftet wurde, stand dem Nai – nach Abzug von Steuern – voll zur Verfügung. Bearbeiten Die PhraiDie Phrai (Thai: ไพร่[15]) waren die gesamten Arbeitskräfte des Reiches im Alter zwischen 18 bis 60 Jahren, die per Gesetz verpflichtet waren, sich bei einem Patron registrieren zu lassen. Es gab verschiedene Gruppen von Phrai: Phrai Luang (Königliche Phrai, direkt dem König unterstellt) und Phrai Som (Private Phrai), Kriegsgefangene oder freiwillige Phrai, Phrai im Militär- oder im zivilen Dienst, Thais, Mon, Malayen, Khmer oder Laoten. Die meisten Phrai waren jedoch Bauern, die von ihren Nai für verschiedene Aufgaben eingeteilt werden konnten. Sie hatten theoretisch ein Sakdi Na zwischen 10 und 350. Jeder Phrai war verpflichtet, sechs Monate eines Jahres für Corvée-Arbeit, also Frondienste, zur Verfügung zu stehen. Dies betraf nur die männlichen Untertanen, Frauen hatten daher oft die volle Verantwortung und einen Großteil der Arbeit, um ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieb zu bewirtschaften. Es gab für einen Phrai mehrere Möglichkeiten, sich der Fronarbeit zu entziehen. Neben der Flucht konnte er sich selbst als Sklave verkaufen, was ihm zwar eine niedrigere Steuerbelastung verschaffte, ihn aber gleichzeitig fester an seinen Nai band. Bearbeiten Das Verhältnis zwischen Nai und PhraiEin Nai war persönlich verantwortlich für seine Phrai. Seine Pflichten – zum Beispiel Rechtsprechung, Besteuerung, Corvée, Fürsorge – bedingten, dass er seine Phrai kannte und wusste, wo er sie finden konnte. Ein Nai erhielt seine Phrai entweder mit seinem Amt oder sie wurden ihm vererbt. Er konnte unregistrierte Phrai jedoch auch versuchen zu „überzeugen“, sich dem System anzuvertrauen, wobei „überzeugen“ nicht unbedingt gewaltsam vonstatten ging. Bei der Registrierung eines Phrai wurden ihm bestimmte Daten, wie sein eigener Name, der Name seines Nai und seine Herkunft auf den Unterarm tätowiert. Dies berechtigte ihn, in Städten oder Dörfern zu leben, wo er physisch und legal vor Banditen und wilden Tieren geschützt war, wo er Gelegenheit hatte, religiöse Verdienste (Tam bun) zu erwerben. Berücksichtigt man die langsamen Kommunikationseinrichtungen jener Zeit sowie die dünne Verkehrsinfrastruktur, gab es für einen Phrai genügend Möglichkeiten, sich dem System zu entziehen. Registrierte Phrai konnten in die Wildnis oder die Berge flüchten, wo sie zwar frei und auf sich gestellt waren, aber auch keinerlei Schutz genossen. Die Flucht, der Tod oder Verkrüppelung eines Phrai waren beständige Probleme für einen Nai, da er für die Steuerabgaben seiner Phrai verantwortlich war. Dies führte dazu, dass Nai nicht alle ihrer Untergebenen „nach oben“ meldeten. Obwohl dies gegen das Gesetz war, wurde es zum Teil toleriert.[16] Bearbeiten Der KlerusDer siamesische Klerus lässt sich unterteilen in den Orden (Sangha) der Buddhistischen Mönche und die Brahmanen:
Bearbeiten SklavenAm unteren Ende der sozialen Rangordnung befanden sich die Sklaven (ทาส – That). Zwar gab es in der Sukhothai-Periode bereits Sklaverei, aber erst im Königreich Ayutthaya war sie sehr ausgeprägt. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts schätzte der französische Bischof Jean-Baptiste Pallegoix ihre Zahl auf ein Viertel der Gesamtbevölkerung. König Chulalonkorn (Rama V.) schließlich schaffte die Sklaverei mit einem Gesetz ab, doch dauerte es weitere 30 Jahre, bis die Sklaverei endgültig verschwand. Der Status der Sklaven in Ayutthaya kann etwa mit dem der Klientel – Abhängige – des alten Rom verglichen werden. Sie wurden im Allgemeinen gut behandelt, so dass sie sich vom einfachen Volk nicht sehr unterschieden, denn die öffentliche Meinung verhinderte Unterdrückung. Per Gesetz standen Sklaven gewisse Rechte zu, wie zum Beispiel das Recht auf Besitz, das Recht eine Familie zu gründen sowie das Recht, vor Gericht zu klagen. Dennoch waren sie ihrem Herrn ausgeliefert, der mit ihm tun konnte, was ihm beliebte, ausgenommen ihn zu töten. Alle Sklaven waren zuerst das Eigentum des Königs. Einige, „That Luang“ genannt, wurden zwischen den Beamten ausgetauscht oder als Vergütung für einen Dienst weitergegeben. Andere, „That Phra“ genannt, wurden in Klöstern zur Bewirtschaftung der klostereigenen Ländereien eingesetzt.
Die Ruinen des Wat Mahathat, des zentralen Tempels der Hauptstadt
Bearbeiten ReligionDie siamesische Bevölkerung Ayutthayas gehörte dem Theravada-Buddhismus an. In der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der bis dahin praktizierte Mahayana-Buddhismus durch eine neue Form verdrängt, die von Theravada-Mönchen der so genannten Langkawong- (auch Langkawamsa-) Sekte aus Sri Lanka mitgebracht wurde. Die Langkawong-Klöster können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden. In der ersten lebten gelehrte Mönche, die die Pali-Schriften studierten und Unterricht für Novizen und Laien in Sprachen und religiöser Literatur anboten. In der zweiten Gruppe lebten Mönche, die als Aranyawasi („Waldbewohner“) bekannt waren. Diese Klöster lagen zwar außerhalb der Stadtgrenzen, waren jedoch relativ leicht zu Fuß oder per Boot erreichbar. Ihre Mönche praktizierten hauptsächlich Meditation. Am Hof und von Kaufleuten angesammelter überschüssiger Gewinn wurde dazu benutzt, neue Klöster (Wat) zu gründen oder vorhandene zu renovieren. Einige Klöster wurden ausschließlich von einer einzigen Familie unterstützt, andere wurden von Königen oder Prinzen des Königreichs erbaut. Im Lauf der Zeit wurde in der Hauptstadt Ayutthaya so eine Vielzahl von religiösen Gebäudekomplexen errichtet. Es können heute etwa 530 religiöse Stätten identifiziert werden, die meisten sind allerdings nur noch Ruinen.[18] Bearbeiten BildungDie grundlegende Struktur der Ausbildung der Prinzen, der jungen Adligen sowie die der „freien Bürger“, wurde durch Ayutthaya vom Königreich Sukhothai übernommen und bis ins 19. Jahrhundert hinein beibehalten. Es gab zwei Arten von Schulen: eine königliche Schule (ราชบัณฑิตยสถาน – Racha-ban-dit) für die Söhne der königlichen Familie sowie die buddhistischen Klöster (Wat), in denen Mönche Unterricht in grundlegenden Fächern gaben. In den Klosterschulen wurden die Jungen des Dorfes zunächst hauptsächlich in religiösen Themen wie buddhistischer Moral und Werten unterrichtet. Später kamen vielleicht als Fremdsprachen Pali und Sanskrit hinzu. Nur wenige Klöster lehrten auch Kunst, Naturwissenschaften, (Kräuter-)Medizin und Astrologie. Schulbesuch war keine Pflicht, Schüler kamen zum Unterricht, solange es die freie Zeit neben der Feldarbeit gestattete. Da Analphabetismus sehr weit verbreitet war, wurden die Wandmalereien in den Tempelgebäuden zum Unterricht benutzt. Das erste thailändische Schulbuch, das „Chindamani“ (จินดามณี), wurde in der Regierungszeit von König Narai (1656–1688) vom Mönch Horathibodi (พระโหราธิบดี) verfasst[19], es war noch in der Regierungszeit von König Chulalongkorn (1868–1910) in Gebrauch. Die Berufsausbildung wurde nicht in Schulen vermittelt, sondern mündlich weitergegeben.[20] Bearbeiten VerwaltungZu Beginn der Ayutthaya-Zeit hielt der König alle Fäden der Verwaltung des Reiches selbst in der Hand, er war der Kommandeur aller Militärs. Als König Boromaracha II. 1431 Angkor Thom erobert hatte, konnte er viele Spezialisten der Khmer als Kriegsgefangene nach Ayutthaya entführen. Sie waren meist ausgebildete Staatsdiener, die dem späteren Nachfolger des Königs zur Seite standen, als dieser sein neues System einer zentralen und differenzierten Verwaltung nach dem Vorbild der Khmer entwickelte. König Boromatrailokanat (kurz: König Trailok) schließlich reformierte die Verwaltung von Grund auf, indem er zunächst die Kontrolle über die Provinzen zentralisierte. Er sandte seine Söhne, Neffen und andere nahe Verwandte aus, um die größeren Städte zu regieren, während er den Feudalherren die weniger bedeutenden Provinzen übertrug. Das bisher vererbbare Amt des Gouverneurs wurde abgeschafft und die Kontrolle verschärft, die Gouverneure waren von nun an direkt dem König unterstellt. Allerdings wurden die tributpflichtigen (Stadt-) Staaten weiterhin von ihren Erbfürsten regiert, die nominell Vasallen des Königs waren. Eine weitere Neuerung König Trailoks war die Unterteilung in zivile und militärische Verwaltung, die beide bisher eng verwoben waren. Die leitenden Beamten in der Hauptstadt erhielten einen höheren Rang, ihnen wurde die Leitung der verschiedenen Ministerien anvertraut. Die Zivil-Verwaltung wurde in fünf Hauptministerien eingeteilt:
Weitere, kleinere Ministerien waren das Tempelministerium (กรมพระธรรมการ – Krom Phra Thammakan), das Ministerium für Königliche Roben (Krom Busamala), das Archivministerium (กรมพระสุรสวด – Krom Phra Surasuat), das Elefantenministerium (กรมพระคชบาล – Krom Phra Gajaban), die Palastwachen (Krom Lom Phra Rachawang) oder die Krom der Hofbrahmanen. Die militärische Verwaltung (กระทรวงกลาโหม – Krasuang Kalahom) stand unter der Leitung eines weiteren Premierministers mit dem Titel „Samuha Phra Kalahom“ (สมุหพระกลาโหม). Ihm unterstanden mehrere Beamte im Rang eines Ministers, die die verschiedenen militärischen Abteilungen verwalteten. Die lokale Verwaltung der Provinzen wurde analog zur zentralen Regierung gestaltet, allerdings wurden die verschiedenen Provinzen in vier Klassen eingeteilt, wobei die der Vierten Klasse direkt an die Hauptstadt grenzten. Bearbeiten HandelAusgrabungen scheinen zu bestätigen, dass Ayutthaya bereits vor 1351 eine blühende Handelsniederlassung von chinesischen und indischen Händlern an der Mündung der drei Flüsse war. Hier trafen sich die Handelsrouten von Norden entlang des Chao Phraya und seinen Zuflüssen, von der Grenze nach Lan Xang über Lopburi und Saraburi entlang des Pasak und des Lopburi-Flusses, von Westen kam die Landroute aus Tenasserim über Suphanburi, von Osten aus dem heutigen Nakhon Rachasima und von Südosten aus dem Khmer-Reich. Im Laufe seiner gesamten Geschichte trieb Ayutthaya einen blühenden Handel mit „Waldprodukten“ (ผลิตภัณฑ์จากป่า), hauptsächlich Rotholz (ไม้ฝาง, engl.: sapanwood), ein Holz, das zur Gewinnung von roter Farbe diente, Adlerholz (ไม้กฤษณา, lat. Aquilaria Agallocha, engl.: eaglewood) zur Gewinnung von Räucherwerk, Benzoe (กำยาน, lat. Styrax benzoides, engl.: benzoin) ebenfalls Räucherwerk, Gummilack (Lackharz, lat. gummi lacca, frz. gomme laque, engl. gumlac, ขี้ครั่ง), zur Herstellung von Siegellack, Black Lac, ein weiteres Baumharz, zur Herstellung von chinesischen und japanischen Lackwaren, und Wildtier-, besonders Hirsch-Felle. Hirschleder war in Japan sehr begehrt, da es bei der Herstellung von Samurai-Rüstungen benutzt wurde. Stoßzähne von Elefanten und Hörner vom Rhinoceros waren ebenfalls hoch geschätzte Exportartikel, wobei das Elfenbein ein königliches Monopol war und Nashörner im Vergleich zu Fellen recht selten. Ayutthaya verkaufte auch Lebensmittel wie Reis und getrockneten Fisch in andere südostasiatische Länder. Mineralien wurden im Königreich nur selten gefunden, ausgenommen Zinn aus Phuket (früherer Name: „Junkceylon“) und Nakhon Si Thammarat (früherer Name: „Ligor“), welches sowohl bei asiatischen wie auch bei europäischen Händlern begehrt war. In den ersten hundertfünfzig Jahren waren neben Indern, Persern und Japanern Chinesen die wichtigsten Handelspartner. Sie siedelten sich im Reich an und hatten schnell die Kontrolle über die Wirtschaft des Landes errungen, was auch später immer wieder für soziale Spannungen sorgte. Denn Chinesen mussten sich nicht für die Corvée-Arbeit registrieren lassen und sie konnten sich frei im Land bewegen und Handel treiben. Von den Europäern waren es 1518 die Portugiesen, die mit Ayutthaya als erste westliche Nation einen Handelsvertrag abschlossen. Sie erhielten die Erlaubnis, Handelsstützpunkte südlich der Hauptstadt sowie in anderen Hafenstädten des Reiches zu errichten. Als Gegenleistung belieferten sie den König mit Kanonen und Munition. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erreichte das erste spanische Handelsschiff Ayutthaya, Holländer, Briten und Franzosen kamen im 17. Jahrhundert hinzu. Die Niederländische Ostindien-Kompanie spielte zwischen 1605 und 1765 in Ayutthayas Im- und Export eine wichtige Rolle, bekamen sie doch eine exklusive Erlaubnis für den Zinn-Handel. Durch die Britische Ostindien-Kompanie kam der griechische Abenteurer Constantine Phaulkon ins Land, der später zum ersten Minister König Narais aufstieg. Französische Missionare erreichten die Hauptstadt in der Absicht, den König zum christlichen Glauben zu bekehren, in der Folge wurden in den 1680er Jahren Gesandtschaften zwischen Frankreich und Siam ausgetauscht. Nach dem Tod von König Narai während der so genannten Siamesischen Revolution wurden die Missionare der Jesuiten des Landes verwiesen. In den darauf folgenden Jahren hatte Siam nur geringen Kontakt zu westlichen Ländern, wohingegen der Handel mit China und Indien weiterhin florierte. Bearbeiten Literatur
Bearbeiten Einzelnachweise
Bearbeiten Weblinks
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